Belastungstest für St. Thomas

Kirchenkonzert der Musikfreunde Urfeld zur Wiedereröffnung der Urfelder Kirche

Blasmusik in der Kirche ist immer ein besonderes Erlebnis, ganz besonders beeindruckend wird es, wenn ein großes Blasorchester klangvolle Werke intoniert. Zu einem solch besonderen Ereignis luden die Musikfreunde Urfeld Ende April in die Pfarrkirche St. Thomas in Urfeld ein.

Insbesondere im Gewölbe der Kirche hatten sich in der jüngsten Vergangenheit immer wieder Stücke aus dem Mauerwerk gelöst, insofern waren umfangreiche Sanierungsmaßnahmen notwendig geworden. Zu Gründonners­tag konnte St. Thomas wieder eröffnet werden. Um diesem Ereignis eine feierliche Note zu geben, hatten die Musikfreunde schon vor Monaten beschlossen, wieder ein Kirchenkonzert zu spielen.

Die Musikfreunde spielten dieses Konzert auch im Gedenken an das Orchestermitglied, Gründer des Jugendorchesters und ehemaligen Dirigent der Musikfreunde, Hartmut Karl, der kurz vor dem Konzert verstorben war.

Die Stückeauswahl sollte die ganze Bandbreite sakraler Blasmusik abdecken und dem Orchester die Gelegenheit geben, Ausdrucksstärke zu beweisen, und das taten die über 40 Musiker der Musikfreunde auch.

Kirchenkonzert in St. Thomas

Gleich zu Beginn erklang eines der Hauptwerke dieses Konzertes. „Music for a solemnity“ aus der Feder des holländischen Komponisten Jan de Haan (*1951) ist in der Tat Musik für einen feierlichen Anlass. Trompeten und Hörner leiten die Feier mit festlichen Fanfaren ein, als ginge es darum, die Mauern von Jericho zu Fall zu bringen. Die Urfelder Kirche bestand aber diesen ersten Belastungstest. Bei diesem Werk ließ sich de Haan einerseits vom alten Brauch der niederländischen Stadt Hoogeveen, mit Trommeln zum Kirchgang zu rufen, und andererseits von der Musik von John Williams inspirieren. Diese ungewöhnliche Kombination mündete in ein festliches Werk, in dem sich Tradition mit modernen Rhythmen und lyrischen Themen vereinen.

Im Gegensatz dazu beginnt „Elsas Einzug in die Kathedrale“ aus dem 2. Akt der Wagner-Oper „Lohengrin“ (1845-1848) sehr besinnlich, entwickelt sich aber monumental bis zum großen Finale. Das sehr gut besetzte Blechregister sorgte dabei für ein sattes Fundament, wie es Richard Wagners Musik ausgezeichnet zu Gesicht steht.

Die Musikfreunde beherrschen aber auch die leisen Töne. Großen Applaus gab es für das Orchester und die Gesangssolistin Julia Reckendrees (Sopran) für Ihre Darbietung bei den Werken Pie Jesu und Panis Angelicus sowie Ellen Reger (Querflöte), die virtuos das Concertino für Flöte und Orchester op. 107 von Cécile Chaminade (1857 – 1944) interpretierte.

Nicht minder eindrucksvoll war das Finale: „Fanfare and Flourishes“ aus der Feder des Amerikaners James Curnow (*1943). Er ließ sich dabei von der barocken Klangfülle des Te Deums von Charpentier (um 1689) inspirieren, garnierte das Ganze mit einem modernen Satz für sinfonisches Blasorchester und steuerte damit ein fulminantes Schlussstück für dieses Kirchenkonzert bei.

Den Facettenreichtum der Musikfreunde Urfeld kann man in diesem Jahr noch mehrfach erleben. Das nächste Mal zu Pfingsten am Tag der Blasmusik und dann wieder am ersten November­wochenende zum großen Jahreskonzert in der Halle Urfeld.